ELISABETH ENGSTLER, REGISSEURIN

 

Elisabeth Engstler

 

Liebe Elisabeth Engstler, 

das BERLINER KRIMINAL THEATER freut sich sehr, Sie für die Regie einer neuen Inszenierung gewonnen zu haben. Welche Beziehung haben Sie zum Berliner Kriminal Theater und was verbinden Sie mit dieser Bühne?

 

E.E.: Ich bin im Jahr 2000 nach Berlin gekommen und habe damals mit dem Umzug in die Hauptstadt den Wechsel vom Schauspielfach zum Regiefach vollzogen. Im Berliner Kriminal Theater hatte ich meinen ersten Job als Regieassistentin, habe dort also meine ersten Schritte in die Richtung der Regie gemacht – das vergisst man natürlich nicht. Ich habe die Assistenz unter anderem für „Die Mausefalle“ und „Zeugin der Anklage“ übernommen, zwei echte Krimi-Klassiker. Beide Produktionen wurden vom Intendanten des BKT, Wolfgang Rumpf, inszeniert, von dem ich mein erstes Wissen über Regiearbeit gewonnen habe. Mich hat schon damals die familiäre Arbeitsatmosphäre im Theater und die Offenheit, mit der ich dort aufgenommen wurde, begeistert. Ich habe dort bei einer anderen Assistenz den Regisseur Christian Struppeck kennen gelernt, der mich später zur Stage Entertainment holte, für die ich elf Jahre als Künstlerische Leiterin gearbeitet habe. Man kann also sagen, dass die Weichen für meine gesamte berufliche Karriere im BKT gestellt wurden. All das hat dazu geführt, dass ich mich diesem Theater besonders verbunden fühle. 

 

Sie werden das Stück ZWEI WIE BONNIE & CLYDE als Sommertheater-Produktion umsetzen. Was sehen Sie in diesem Stück? Was ist Ihnen dabei wichtig?

 

E.E.: Mit Bonnie und Clyde verbinden wir auf Anhieb zwei Dinge: das Gangsterduo, das Banken überfiel, und eine sehr romantische Beziehung.

Die Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ handelt von einer jungen Frau und einem jungen Mann, die Geld brauchen und es sich wie Bonnie und Clyde bei einem Banküberfall erbeuten wollen. Das ist aber schwieriger als gedacht, vor allem, wenn man nicht klug genug ist, den Überfall richtig zu planen… Da steckt viel Situationskomik drin!

Für mich geht es in diesem Stück aber um mehr: um Freiheit und darum, seinen Traum zu leben. Und natürlich um die Liebe. Die beiden Protagonisten wollen ihre Freiheit genießen und nach Los Angeles fahren, doch sie haben kein Geld dafür. Das bringt sie in eine vertrackte Situation, denn wie kann man seine Freiheit und seinen Traum verwirklichen, wenn einem dafür die finanziellen Mittel fehlen?

 

Wo sehen Sie die besondere Herausforderung für Sommertheater, d.h. einer Freiluft-Produktion?

 

Eine Freiluft-Produktion ist eine große Herausforderung und Chance zugleich: die Magie des Theaters beruht zum großen Teil auf dem Einsatz durch Scheinwerfer, mit dem man unterschiedlichste Stimmungen schaffen kann. Diese Möglichkeit fällt bei einer Sommerproduktion im Freien durch das Tageslicht weg. Dafür hat man die große Chance, die unmittelbare Umgebung, in der man sich befindet, in das Geschehen mit einzubinden und zu nutzen. Die Natur wird Teil der Kulisse, die Geräusche und Gerüche Teil des Geschehens. Damit ist jede Vorstellung ein einmaliges Erlebnis für den Zuschauer.

 

Was macht die Kriminal-Komödie ZWEI WIE BONNIE & CLYDE für Sie so besonders, aktuell und aussagestark?

 

E.E.: Die Themen Freiheit und Träume sind immer und zu jeder Zeit brandaktuell. Um das zu verdeutlichen, will ich in der Inszenierung die Handlung in das Ende der Achtziger Jahre legen, eine Zeit, in der durch die Veränderung, die der Fall der Mauer mit sich brachte, plötzlich viele Menschen Reisefreiheit hatten, aber ebenfalls vor der Frage standen, wie sie den lang gehegten Traum von Amerika ohne Geld realisieren sollten. Und dieses Gefühl der Ohnmacht kennt sicherlich jeder aus irgendeiner vergleichbaren Situation, auch heute.

 

Welche Erfahrung bringen Sie im Theaterbereich mit? Haben Sie bereits eine vergleichbare Inszenierung umgesetzt?

 

E.E.: Nach mehreren Jahren Erfahrung im Bereich Regieassistenz habe ich lange Jahre als Künstlerische Leiterin für den größten deutschen Musical-Produzenten Stage Entertainment gearbeitet, zuletzt im Theater am Potsdamer Platz. Daneben war ich als freischaffende Regisseurin tätig und habe u.a. das Musical von Lund/ Zaufke „Babytalk“ und Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ inszeniert. Momentan inszeniere ich die 3-Personen-Komödie „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer am Zimmertheater Steglitz, die dort ab Mitte März zu sehen sein wird.

 

Um Sie noch ein bisschen besser kennen zu lernen, hier Fragen für kurz & knapp:

Name: Elisabeth Engstler

Alter: 51 – ich steh dazu! ;-)

Wohnort: Berlin

Lieblingswort: Das englische Wort für abergläubisch: „superstitious“.

Lieblingsmotiv: „Blühende Mandelbaumzweige“ von Vincent van Gogh

Wunsch, der 2017 noch in Erfüllung gehen sollte: den gibt´s, aber der bleibt geheim

Ihre nächste Reise geht nach: Schottland

Ihre 3 wichtigsten Werkzeuge: Bleistift (mit Radiergummi dran!), Laptop, Brille

Ihre Vorbilder / Quellen der Inspiration: Max Reinhardt, Marlene Dietrich

Wann haben Sie zuletzt etwas Neues getan und was war das? Letzte Woche eine Thai-Massage: autsch!

Wie sieht es bei Ihnen zuhause aus? Äußere Ordnung für inneres Chaos

Wenn wir Sie zuhause besuchen, was würden Sie für uns kochen? Ist das ein dezenter Hinweis…? :-) LASAGNE!

Was würden Sie ändern, wenn Sie die Macht dazu hätten? Ich würde Trump absetzen.

Wann haben Sie zuletzt von Herzen gelacht? Gestern, heute steht noch aus, aber ein Tag ohne Lachen geht gar nicht!