Queen of Crime

 

Agatha Christie wurde am 15. September 1890 als Agatha Mary Clarissa Miller im englischen Seebad Torquay geboren. Ihre Eltern Frederick und Clara hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Kinder, Agatha war die Jüngste im Hause Miller. Zum Ärger ihrer Mutter lernte das Mädchen schon früh lesen. Als Agatha 11 Jahre alt war, starb ihr Vater; ein tiefer Einschnitt in ihr Leben, den sie später oft als das Ende ihrer Kindheit bezeichnet. In den folgenden Jahren wurde Agatha auf mehrere Mädchenpensionate in Frankreich geschickt, eine Zeit die ihr sehr gefiel. Eigentlich wollte die junge Frau zu diesem Zeitpunkt Opernsängerin werden, doch ihr wurde gesagt, daß ihre Stimme nicht kräftig genug sei. Doch dann schlug ihr ihre Mutter vor, doch einfach einmal ein Buch zu schreiben. So reichte Agatha 1909 ihren ersten Roman "Snow upon the Desert" bei einem in der Gegend bekannten Schriftsteller zur Beurteilung ein: Seiner Ansicht nach hätte sie ein gutes Gefühl für Dialoge.

 

Im Jahre 1912 lernte Agatha auf einem Ball Archibald Christie kennen. Sofort verliebten sich die beiden ineinander, aber zum Leidwesen beider wurde Archibald im 1. Weltkrieg an die französische Front abberufen. Während eines kurzen Urlaubs im Winter 1914 heirateten die beiden an Heiligabend überstürzt. Als der Krieg vorbei war, zog das junge Paar in eine Wohnung in London. Agatha arbeitete in einer Krankenhausapotheke, eine Arbeit die ihre Kenntnisse im Bereich der verschiedenen Gifte vertiefte, was für ihre späteren Bücher eine große Hilfe war. Als es ihr einmal in der Apotheke langweilig wurde, entsann sie, angespornt durch ihre Schwester Madge, eine Kriminalgeschichte mit einer möglichst komplizierten Handlung. Für diese Geschichte musste Agatha einen Detektiv erfinden. So wurde der exzentrische, scharfsinnige, kleine Belgier Hercule Poirot geboren. Als es fertig war, schickte sie das Manuskript 1917 an den Verleger John Lane. Doch dann vergaß Agatha die ganze Geschichte schnell, denn am 5. August 1919 wurde ihre Tochter Rosalind Margaret Clarissa geboren. Erst im Jahre 1920 hörte die junge Mutter wieder etwas von John Lane: Man habe sich entschlossen, Agathas Geschichte als "The Mysterious Affair at Styles" (Das fehlende Glied in der Kette) zu veröffentlichen. Agatha und die ganze Familie war glücklich. Wenige Zeit später schrieb Agatha ein weiteres Buch ("The Secret Adversary" / Ein gefährlicher Gegner), da sie dringend Geld benötigte. In den nächsten Jahren wechselte sie den Verlag und schrieb weitere erfolgreiche Krimis. 1926 wurde "The Murder of Roger Ackroyd" (Alibi) veröffentlicht, das eines von Agatha Christies bekanntesten und erfolgreichsten Büchern war und ist.

 

Im Frühjahr 1926 starb Agathas Mutter Clara an einer Bronchitis, ein Ereignis das für Agatha ein schlimmer Schock war. Und auch in ihrem Privatleben gab es Probleme: Die ständigen Auseinandersetzungen mit ihrem Mann Archibald machten ihr schwer zu schaffen. Archibald zog in eine andere Stadt und gab zu, daß er ein Verhältnis mit einer anderen Frau hätte. All diese familiären Probleme führten im Dezember 1926 zu Agathas "Verschwinden". Für elf Tage war sie unauffindbar, ihr Wagen wurde in einem Straßengraben leer aufgefunden, die Polizei organisierte eine große Suchaktion. Agatha aber hatte sich unter einem falschen Namen in einem Hotel in Harrogate einquartiert.

 

Elf Tage nach ihrem Verschwinden wurde sie dort von Bediensteten des Hotels erkannt und schließlich "in Sicherheit gebracht". Wie es zu dieser Reaktion von Agatha Christie gekommen ist, war unklar. Man nahm an, das sie an einem kurzzeitigen Gedächnisverlust litt. Im April 1928 ließen sich Agatha und Archibald scheiden.

In der nachfolgenden Zeit schrieb Agatha mehrere Krimis, die ebenfalls sehr erfolgreich waren. Sie erfand einen weiteren Detektiv: Die "alte Katze" Miss Jane Marple aus St. Mary Meads mit ihrem Interesse für die Natur der Menschen (das von Dorfbewohnern auch als Neugier bezeichnet wird) und ihrem messerscharfen Verstand.

 

Im Februar 1930 reiste Agatha in den Orient um archäologische Ausgrabungen zu besichtigen. Dort lernte sie den 15 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen. Am 11. September 1930 heirateten die beiden in Edinburgh. Das frisch getraute Ehepaar erwarb ein Haus in London und die kleine Familie lebte glücklich zusammen. Agatha schrieb besonders in dieser Zeit viele erfolgreiche Kriminalromane und unternahm viele Reisen, half auch bei den Ausgrabungen ihres Mannes. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges arbeitete Agatha wie schon Jahre zuvor in einer Krankenhausapotheke. Die Zeit, in der sie von ihrem Mann getrennt leben musste, war fast unerträglich. Dafür schrieb sie in den Jahren des Krieges fast ein Dutzend Krimis, darunter so erfolgreiche wie "Ten Little Niggers" (Zehn kleine Negerlein) oder "Evil under the Sun" (Das Böse unter der Sonne). Am 21. September 1943 wurde Agathas Enkelkind Mathew geboren. 1945 nach dem Ende des Krieges kehrte ihr Mann Max wieder nach England zurück und die beiden bezogen wieder ihr früheres Haus; Agathas Privatleben war in dieser Zeit wieder in Ordnung geraten.

 

Im Jahre 1949 begannen die 10 Jahre dauernden Ausgrabungen von Max Mallowan in Nimrud. Agatha half ihm dabei so gut sie konnte; außerdem schrieb sie ihre Autobiographie. 1952 war die Uraufführung ihres Theaterstückes "The Mousetrap" ( Die Mausefalle ) in London, das seither täglich aufgeführt wird und unglaublich erfolgreich ist. 1956 wurde Agatha Christie zum "Commander of the British Empire" ernannt. 1962 starb Agathas erster Mann Archibald. Mit 75 Jahren erschien ein weiters Meisterwerk der Queen of Crime: "At Bertram's Hotel" ( Bertrams Hotel ). Es verkaufte sich im ersten Monat nach dem Erscheinen 50 000 mal. Am 12. Januar 1976, nach einem Schlaganfall drei Jahre zuvor und einer plötzlich einsetzenden Erkältung, starb Agatha Christie in Winterbrook House. Im selben Jahr erschien das Buch "Sleeping Murder" ( Ruhe unsanft ) mit Miss Marple als Detektiv; das Buch hatte Agatha über 30 Jahre früher geschrieben. Am 19. August 1978 starb Agathas Mann Max Mallowan.